Redaktion: „Hallo Uwe, du hast deine ersten fußballerischen Schritte in Friedberg-Dorheim gemacht. In welchem Alter bist du zum Fußball gekommen? Kannst du dich noch an deine ersten Berührungspunkte mit dem Fußball erinnern? Wie alt warst du da?“
Uwe: „Ich bin erst relativ spät dazugekommen. Mit sieben Jahren habe ich beim FSV Dorheim angefangen zu kicken. Ich hatte einen Bruder, der zehn Jahre älter war. Wir hatten und haben ein super Verhältnis. Als Jungspund habe ich ihn begleitet. Es hat mich beeindruckt und inspiriert. Dann habe ich als Stürmer angefangen und war plötzlich im Kasten, Torwart. Nach einem Spiel, in dem ich fünf Gegentreffer kassiert habe, stand ich dann im nächsten Spiel als Feldspieler wieder auf dem Platz. (lacht)“
Redaktion: „In der Jugend bist du von Dorheim nach Melbach und dann zu den Kickers gewechselt. 1986 bist du vom OFC zu den Amateuren der Eintracht gekommen. Wie kam der Wechsel zustande?“
Uwe: „Beim FSV Dorheim hatten wir eine starke Truppe und wurden Pokalsieger. Zu der Zeit habe ich schon in der Kreisauswahl gespielt. In der C-Jugend folgte der Wechsel zur SG Melbach. Die spielten in der Zeit zusammen mit der Eintracht und dem OFC in der höchsten Spielklasse in der Jugend. Besonders auf den Dörfern haben die vermeintlich größeren Mannschaften sich schwergetan. In der A-Jugend bin ich dann vom OFC zur Eintracht gewechselt. Damals noch unter Klaus Gerster.“
Redaktion: „Zu der Anfangszeit warst du bei den Amateuren aktiv, 1988/89 dann dein Debüt beim Bundesliga-Remis im Heimspiel der SGE gegen Werder Bremen. Kannst du dich noch an deine Anfangszeit und dein erstes Spiel bei den Profis erinnern? Wer war dein Trainer? Was war das für eine Saison?“
Uwe: „Mit dem OFC spielten wir um die Deutsche Meisterschaft, mit der U19 der Eintracht hätte es fast geklappt. Wir standen im Finale und haben denkbar knapp mit 0:1 gegen Bayer Uerdingen verloren. Parallel zum Sprung in die Seniorenabteilung habe ich eine Ausbildung als Gas-und Wasserinstallateur gemacht. Bei den Amateuren war ich insgesamt eineinhalb Jahre, da waren Hubert Neu und Jürgen Sparwasser meine Trainer. Pal Csernai hat mich dann hochgezogen, im Herbst 1988 habe ich mein Debüt gegen Werder Bremen gegeben.“
Redaktion: „Fortan warst du über 18 Jahre bei der Eintracht aktiv – eine Zeit voller Höhen und Tiefen inklusive Trauma von Rostock, Abstiege und Aufstiege – wie blickst du allgemein auf deine aktive Spielerzeit zurück?“
Uwe: „Es war eine sehr emotionale Zeit, mit allem, was das Fußballherz begehrt – Höhen, Tiefen, Fortschritte, Rückschläge. Nach meinem Debüt 1988 folgte nur ein Jahr später die Relegation gegen Saarbrücken, in der wir knapp den Abstieg verhindern konnten. Da war Jörg Berger unser Trainer. Nur zwei Jahre später spielten wir um die Deutsche Meisterschaft in Rostock. 1996 dann der Abstieg, der Wiederaufstieg 1998. Ähnliches Szenario dann Anfang der 2000er Jahre, Abstieg, dann wieder Aufstieg, mit dem 6:3 gegen Reutlingen.“
Dieser kleine Strohhalm, an dem du zerrst und ihn unbedingt haben willst - der Glaube, immer bis zum Schluss alles rauszuholen.
Uwe Bindewald blickt zurück auf das Spiel gegen den SSV Reutlingen 2003.
Redaktion: „Was war das kurioseste Spiel, das du im Fußball erlebt hast und warum?“
Uwe: „Ich wusste, dass so eine Frage kommen wird. Das war das Aufstiegsspiel im Mai 2003 gegen den SSV Reutlingen. Das war komplett irre. Zur Halbzeit lagen wir mit 3:1 in Führung, die Gäste glichen wieder aus. Ekstase dann in den letzten Minuten, als Diakhité und Schur trafen. Dieses Spiel hat mich vieles gelehrt. Dieser kleine Strohhalm, an dem du zerrst und ihn unbedingt haben willst – der Glaube, immer bis zum Schluss alles rauszuholen. Das hat mir gezeigt, dass es sich immer lohnt, bis zum Ende zu kämpfen. Willi Reimann hat es damals gespürt. Und er hat es geschafft, er konnte es übertragen und an die Mannschaft vermitteln. Er hat uns angestachelt, ständig dran zu glauben. Und voilà, irgendwie sind wir dann aufgestiegen…“
Redaktion: „In deiner aktiven Karriere hast du unter anderem unter Dragoslav Stepanovic, Klaus Toppmöller, Jupp Heynckes, Felix Magath, Charly Körbel, Jörg Berger und vielen mehr gespielt. Wer war dein bester Trainer und warum?“
Uwe: „Es ist schwierig, sich einen Trainer rauszusuchen. Jeder Trainer hat seine Stärken und Schwächen. Ich erinnere mich da an Horst Ehrmantraut, der akribisch jede Einheit bis ins Detail geplant hat. Wir haben viel im Kraftraum und auf dem Platz taktisch trainiert. Was ich damit sagen will, ist, dass jeden Trainer etwas auszeichnet. Es gibt nicht den einen besten Trainer. Mit Hubert Neu beispielsweise hatte ich ein tolles Verhältnis. Er hat mich aus der Jugend hochgezogen und gepusht, aber auch Mal gestutzt. Die Zeit mit Trainer Klaus Gerster, der mein Jugendtrainer war, hat mich enorm geprägt, denn er hat mir viel mit auf den Weg gegeben. Obwohl er ein harter Trainer war. Er sagte immer ‘Ich bring‘ dich auf die Bühne, aber tanzen musst du.‘ Das war schon sehr beeindruckend.“
Redaktion: „Ab 2007 warst du als Co-Trainer bei der U19 tätig. War das vorgesehen nach der Spielerkarriere, den Trainerweg einzuschlagen?“
Uwe: „Am Ende meiner Karriere bin ich nochmal für ein Jahr nach Eschborn gegangen. In der Zeit habe ich mit den Trainerlizenzen angefangen. Ich wollte Trainer werden. 2005 habe ich dann meine eigene Fußballschule aufgemacht, die ‚UB13 Fußballschule‘. Das war in Friedberg-Dorheim. Nur zwei Jahre später wurde ich von Armin Kraaz [damaliger NLZ-Leiter, Anm. d. Red.] und Oscar Corrochano gefragt, ob ich als Co-Trainer im NLZ aktiv werden will. So hat es angefangen. Von der U19 ging es dann zur U23. Mittlerweile gibt es die ‚UB13 Fußballschule‘ nicht mehr, ich bin bei der Eintracht Frankfurt Fußballschule und sehr froh da drüber.“
Redaktion: „Als „Säule der Eintracht“ bist du unter den Eintracht-Legenden sehr weit oben angesiedelt. Woher kam diese Motivation, alles für die Eintracht zu geben und den Verein nicht zu verlassen?“
Uwe: „Ich bin ein sehr heimatverbundener Mensch, der nicht die große weite Welt braucht. Die Region hier ist meine Heimat und ich fühle mich sehr wohl. Ich bin sehr froh, so viel mit dem Verein miterlebt zu haben, auch wenn die Zeit nach dem Abstieg nicht so toll war.“
Redaktion: „Als Spieler und Trainer hast du den Fußball in all‘ seinen Facetten kennengelernt. Was war früher anders? Was hat sich im Fußball in den letzten Jahren verändert?“
Uwe: „Die sozialen Medien haben einiges verändert. Das hat Vor- und Nachteile. Man wird schneller bekannt und hat sofort eine Plattform. Genauso rapide kann es aber auch wieder runtergehen, wenn zum Beispiel Kritik geäußert wird und diese häufig geteilt wird. Im Fußball werden heutzutage mehr taktische Elemente eingefügt. Während meiner aktiven Zeit hatten die Spieler mehr kreative Freiheiten. Spieler wie Uwe Bein konnten das viel mehr ausleben. Heute geht es um sehr viel Geld, denn es steht sehr viel auf dem Spiel.“
Redaktion: „Seit 2018 bist du bei der Eintracht Frankfurt Fußballschule tätig und leitest unter anderem Feriencamps und das Talenttraining. Wie bist du zur Fußballschule gekommen? Lief der Erstkontakt über Charly?“
Uwe: „Der Kontakt entstand damals über Charly. Die Erfahrung, die ich von meiner eigenen Fußballschule einbringen konnte, war natürlich Gold wert. Darüber hinaus habe ich Jugendmannschaften im Nachwuchsleistungszentrum trainiert, war quasi ‚gebrieft‘ über die Arbeit mit Jugendlichen. Ich wusste, was auf mich zukommt. Es ging los mit dem Talenttraining und hat sich immer weiter vergrößert. Vom Leiter des Talenttraining zur Leitung der Feriencamps in Frankfurt.“
Redaktion: „Welche zukünftige Entwicklung wünschst du dir für den deutschen Fußball und den Fußball im Allgemeinen?“
Uwe: „Ich würde mir wieder mehr Respekt untereinander wünschen. Am Ende zählt immer die eigene Gesundheit und der Respekt zum Gegner.“
Redaktion: „Was kannst du talentierten jungen Nachwuchskickern*innen mit auf ihren Weg geben?“
Uwe: „Das Wichtigste ist der Spaß am Kicken. Ohne macht es keinen Sinn. Spaß und Leidenschaft, es muss von innen heraus kommen. Egal was passiert, bleibt am Ball. Manchmal muss man einen Umweg gehen, um ans Ziel zu gelangen.“
Redaktion: „Was muss deiner Meinung nach ein guter Trainer mitbringen, um den Sprung ins Profigeschäft zu schaffen? Welche Charaktereigenschaften muss er mitbringen?“
Uwe: „Ein guter Trainer muss ehrlich mit seinen Spielern umgehen, gleichzeitig aber auch klare Kante zeigen und diese vorgeben. Die Spieler brauchen immer klare Vorgaben, was sie wie und wo dürfen. Essenziell ist dafür eine offene und ehrliche Kommunikation des Trainers.“
Redaktion: „Was war dein schönster Moment mit Eintracht Frankfurt?“
Uwe: „Ich schätze, das war das 5:1 gegen Kaiserslautern 1999. Das war Abstiegskampf pur bis zur letzten Sekunde. Zur Halbzeit stand es noch 0:0, knapp 20 Minuten vor Spielschluss 1:1. Parallel spielte auch Nürnberg, doch sie hatten zu dem Zeitpunkt noch ein besseres Torverhältnis. Wahrscheinlich hat bei den „Glubberern“ keiner mehr dran geglaubt, dass wir noch vier Tore aufholen würden. Kurz vor Schluss schossen sie den Anschlusstreffer gegen Freiburg, Jan Aage Fjörtoft traf für die Eintracht zum 5:1. Damit war unser Torverhältnis um ein Tor besser als vom FCN, der dadurch abgestiegen ist. Nach einer verkorksten Saison war das für uns die Erlösung. Das zeigt aber, dass man um jedes Tor kämpfen muss.“