Wenn die Eintracht Frankfurt Fußballschule zu den beliebten Trainings-Camps in den Schulferien ruft, ist der Andrang enorm. Die Gelegenheit, unter optimalen Bedingungen und angeleitet von ehemaligen Eintracht-Profis zu trainieren, erfreut sich großer Nachfrage und ist regelmäßig ausgebucht. Für die teilnehmenden Kinder bietet sich neben all der Freude rund um den Fußball auch noch eine Chance ganz besonderer Art: Wer während der Trainings-Wochen durch tadelloses Sozialverhalten auffällt, kann als „Erdmännchen“ ausgezeichnet werden. Der sportliche Umgang untereinander ist für die Fußballschule so wichtig, dass die Erdmännchen aller Ferien-Camps, zusätzlich zu der allgemeinen Anerkennung, mit einer Teilnahme als „Einlauf-Kid“ in der Fußball-Bundesliga belohnt werden.
Im Vorfeld der Partie Eintracht Frankfurt gegen Werder Bremen ist es endlich soweit: Elf aufgeregte „Erdmännchen“ versammeln sich kurz vor 15 Uhr vor dem Eintracht-Museum. Clemens Appel, der den Ablauf von Seiten der Fußballschule koordiniert, stellt zufrieden fest, dass alle Kinder an Bord sind. „Die Verkehrssituation rund ums Stadion kann gerne mal unterschätzt werden. Ich bin daher immer froh, wenn es alle pünktlich zum Treffpunkt geschafft haben“, gibt er zu Protokoll. Appel führt die Kinder vorbei an den Ordnern in die Umkleidekabine im Inneren des Stadions, wo sie ihre Ausrüstung, die sie im Rahmen der Ferien-Camps erhalten haben, anziehen. Die Kinder sind gut gelaunt, ihre Anspannung können sie aber kaum verbergen. Alle fragen sich zu diesem Zeitpunkt, wem sie wohl zur Seite gestellt werden. Natürlich haben da alle ganz genaue Vorstellungen. „Zambrano ist der Beste, hoffentlich kann ich mit ihm zusammen einlaufen“, sagt Dennis (10) aus Frankfurt, der im Herbst „Erdmännchen“ wurde, während Maximilian (11) zunächst darum besorgt ist, ob sie überhaupt die Eintracht zugewiesen bekommen.
Körbel bringt einen Überraschungsgast mit
Denn die Kids von der JSG Birstein, die heute die zweite Einlaufmannschaft stellen, brennen ganz genauso darauf, an der Seite der Adlerträger das Stadion zu betreten. Wie immer entscheidet darüber das Los. Thorsten Otto, der seit 2008 bei jedem Heimspiel für die Einlauf-Kids verantwortlich ist, bittet die beiden Torhüter zu sich und wirft die Münze. Und diesmal hat die JSG Birstein das Glück auf ihrer Seite. Unter dem Jubel seiner Mannschaftskameraden entscheidet Keeper Florian sich für die Eintracht, die „Erdmännchen“ der Fußballschule müssen mit dem SV Werder Bremen Vorlieb nehmen. „Ganz selten, wenn der Gegner Bayern München oder Borussia Dortmund heißt, entscheidet sich auch mal eine Einlauf-Mannschaft gegen die Eintracht“, weiß Otto. „Ansonsten wollen immer alle die SGE. Das Los ist hart, aber man muss das sportlich nehmen.“ Und so machen es die „Erdmännchen“ auch: „Ich finde Werder zwar doof, freue mich aber trotzdem auf das, was jetzt kommt“ sagt Lennard (9) aus Sprendlingen.
Und das ist nicht zu wenig. Zunächst geht es über die Mixed-Zone und den Spielertunnel in den Innenraum. Auf dem Feld machen sich gerade die Profis beider Mannschaften warm. Verletzte Akteure, wie der Bremer Kapitän Clemens Fritz, sitzen auf der Bank und beobachten das Treiben. Nun dürfen die Einlauf-Kids ein Gefühl davon bekommen, wie es sich anfühlt, das Bundesliga-Geschehen aus nächster Nähe zu erleben. Stürmisch besetzen sie die Bank der Eintracht, wo sie fleißig fotografiert werden. Und während die Kinder für die Bilder posieren, betreten zwei Eintracht-Legenden den Innenraum: Fußballschulen-Leiter Charly Körbel lässt sich die Gelegenheit die Erdmännchen persönlich zu begrüßen nicht entgehen und hat keinen Geringeren als Oka Nikolov mitgebracht. Da ist das Staunen wieder groß und es werden noch mehr Fotos geschossen.
Jetzt geht‘s los
Und dann ist es auch schon Zeit im Spielertunnel Aufstellung zu nehmen. Letzte Anweisungen für beide Einlauf-Teams, dann heißt es warten. Im Stadion selbst kocht die Stimmung hoch. 44.300 Zuschauer singen im „Herzen von Europa“ und rufen lauthals die Aufstellung aus. Dann kommen die Spieler aus den Kabinen und stellen sich vor der Treppe ins Stadion auf. In den Minuten unmittelbar vor dem Anpfiff ist die Anspannung der Spieler am größten. Wie Rennpferde vor dem Startschuss warten sie auf das Signal des Schiedsrichters. Die Konzentration darf dabei auf keinen Fall gestört werden. Ehrfürchtig stehen die Kinder daneben und verhalten sich genau wie abgesprochen: absolut ruhig. Und dann ist der Moment gekommen. Referee Felix Zwayer führt die Mannschaften aufs Feld. Für die Kinder geht jetzt alles ganz schnell: Einlaufen an der Hand der Profis, am Mittelkreis Aufstellung nehmen, kurz zur Haupt- und Gegentribüne winken und blitzschnell wieder runter vom Feld, damit das Spiel beginnen kann.
Dann geht es zurück in die Kabine, wo die Kinder aufgeregt ihre Eindrücke austauschen. „Ich bin mit Nils Petersen eingelaufen“, sagt Eric (9), „den finde ich bei Bremen am sympathischsten“. Nun heißt es erneut Gas geben, denn das Spiel läuft bereits und die Kinder wollen natürlich so wenig wie möglich verpassen. Clemens Appel und der ehemalige Eintracht-Profi Uwe Müller führen sie hinauf auf die Tribüne, wo sie schon von ihren Eltern erwartet werden. Die sind ganz gespannt auf die Neuigkeiten, müssen sich allerdings noch ein wenig gedulden. Bevor sie nämlich in aller Ruhe berichtet bekommen, steht erst die laufende Bundesliga-Partie auf dem Programm.
Das Team der Eintracht Frankfurt Fußballschule dankt seinen „Erdmännchen“ für den reibungslosen Ablauf und hofft, dass es auch für sie ein unvergessliches Erlebnis war.