Eine der großen gesellschaftlichen Aufgaben der Aktualität ist es, Menschen unterschiedlichster Ausprägung in das gemeinschaftliche Leben einzubinden. Gerade in Zeiten gesteigerter Angst vor Terrorismus und dem Zerbröckeln des gesellschaftlichen Zusammenhalts, gilt es, noch enger zusammenzurücken. Inklusion heißt das Zauberwort. Der Begriff beschreibt das selbstverständliche Miteinander von Menschen, trotz aller Unterschiede.
Fußball ist ein ideales Mittel um solche Werte zu transportieren. Denn nur als Team kann man gewinnen. Bei der Eintracht Frankfurt Fußballschule weiß man um diese einfache Wahrheit und richtet daher regelmäßig Camps mit integrativen Schwerpunkten aus. So auch beim Kaufland-Spieltagscamp vor dem Heimspiel der SGE gegen Bayer Leverkusen. In Zusammenarbeit mit der Bundesliga-Stiftung und der Aktion Mensch trainierten 30 Kinder mit und ohne Behinderung am 21. November gemeinsam in der Wintersporthalle, unmittelbar an der Commerzbank-Arena.
Um den besonderen Zweck der Veranstaltung zu unterstreichen, hatte sich die Fußballschule ein buntes Programm ausgedacht, in dessen Mittelpunkt selbstredend das zweistündige Training stand. Zunächst gab es für die Teilnehmer, die sich zur Hälfte aus der „Fußball-ID-Mannschaft“ des TSV Klein-Linden rekrutierten (ID steht für Intellectual Disability), eine komplette Fußballaustattung, bestehend aus Trikot, Hose, Stutzen Trinkflasche und Ball. Soweit alles wie gehabt.
Mit verbundenen Augen ins Schwarze treffen
Im Trainerteam der Fußballschule (Manfred Binz, Cezary Tobollik, Ervin Skela, Ralf Schmitt und Clemens Appel) waren aber neue Gesichter zu entdecken: Mit dem Blindenfußballer Marcel Heim und dem Krückenfußball-Nationalspieler Lars Wurst verstärkten zwei Coaches den Stab, die den Kids bewiesen, dass ein Handicap noch lange nicht den Verzicht aufs schönste Spiel der Welt bedeuten muss.
So zeigte Heim an der Station Blindenfußball, wie sich Kicker mit Sehbehinderung auf dem Feld orientieren und die Kids konnten es mit verbundenen Augen auch gleich selbst ausprobieren. Gar nicht so leicht, wenn man sich nur auf die Stimmen der Mitspieler und das Rasseln des Balles verlassen muss. Lars Wurst demonstrierte währenddessen im Torschussprogramm, dass man auch mit einem Bein den Hammer auspacken kann. Alles was es braucht sind zwei Krücken, Koordination und Wille.
Aktion-Mensch-Vorstand Armin von Buttlar, der es sich nicht nehmen ließ das Camp vor Ort zu besuchen, freute sich am Spielfeldrand über das Zusammenspiel von Kindern und Trainern. „Das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderung wird schrittweise selbstverständlicher, aber es gibt noch viel zu tun. Es ist immer noch so, dass sich Menschen mit und ohne Behinderung selten im Alltag treffen. Solche Veranstaltungen wie hier bei Eintracht Frankfurt sind deswegen unheimlich wichtig. Wenn man den Kindern zuschaut, wie sie gemeinsam trainieren, ist das einfach großartig.“
Zum Abschluss des Trainings gab es ein Spiel der Trainer gegen eine Auswahl der Campteilnehmer. Hierbei wurde sämtlichen Spielern ein Bein mit einem roten Stutzen markiert und nur dieses durfte dann zur Ballführung eingesetzt werden. Auf diese Weise bekamen die Kids einen kleinen Eindruck davon, wie man die eigene Koordination umstellen muss, wenn man plötzlich mit nur einem Bein auskommen muss.
Mit dem „Rolli“ die Rampe überwinden
Nach zwei Stunden Fußball hatten sich alle Beteiligten nun ein schönes Mittagessen verdient. Dies gab es im Eintracht Museum, gerahmt von Pokalen und Erinnerungsstücken der langen SGE-Historie. Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen und die bisherigen Eindrücke des Tages auszutauschen. Bevor es im Programm weiterging, verabschiedete sich das Trainerteam und stattete alle Kinder und ihre Begleiter mit Eintracht-Schals aus, damit sie auf der Tribüne auch eine standesgemäße Figur abgeben konnten.
Danach übernahm die Fanbetreuung in Gestalt von Clemens Schäfer und Julian Schneider alle Interessierten, um ihnen im Rahmen einer Führung über das Stadiongelände Einblicke in die Abläufe, Hindernisse und Plätze von Fans mit Behinderung zu gewähren. Die Rampe hinauf zu den Blöcken mit „Rolli-Plätzen“ konnten Kids und Eltern selbst versuchen im Rollstuhl zu überwinden. Und wer sich mit verbundenen Augen von anderen zu den Plätzen der Blindenreporter führen ließ, bekam ein Gefühl dafür, wie aufgeschmissen man ist, wenn das Hauptsinnesorgan von einem Augenblick auf den nächsten ausfällt.
Abschließend stand natürlich das Spiel der Eintracht auf dem Programm. Während zwei Campteilnehmer das Riesenglück hatten, an der Hand der Eintracht-Profis ins Stadion einlaufen zu dürfen, teilte der Leverkusener Blindenreporter Björn Naß auf der Tribüne Empfangsgeräte und Kopfhörer an die Teilnehmer aus, damit diese parallel zum Spiel den Frankfurter Blindenreportern lauschen konnten. Dass die beiden Kommentatoren, die sich über 90 Minuten alle zehn Minuten abwechselten, wenig Erfreuliches von der Eintracht berichten konnten, war der einzige Wehrmutstropfen an einem Tag, der vielen Teilnehmern lange in bester Erinnerung bleiben wird.
Die Eintracht Frankfurt Fußballschule dankt allen Kids, die ohne jede Berührungsangst das Wesen der Inklusion vorgelebt haben, den externen Trainern und Helfern sowie unseren Kooperationspartnern von Kaufland, der Bundesliga-Stiftung und der Aktion Mensch für diesen besonderen Tag. Die Bilder des Camps gibt es auf unserer Facebook-Seite.